Mehr Geld bei armen Familien
Der Kinderzuschlag erreicht heute nur einen Bruchteil der Berechtigten, weil er beantragt werden muss. Eine gebündelte, antragsarme Leistung brächte nach den vorliegenden Rechnungen 2 bis 12 Mrd € im Jahr zusätzlich bei Familien an — fast ausschließlich bei Haushalten, die gemessen am Einkommen je Kopf im untersten Fünftel stehen. Sicher ist, dass gezahlt wird; offen ist, wie viel ankommt, wenn die Ausgestaltung den Antrag nicht wirklich abschafft.
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Wert
Das Geld landet bei Kindern, für die es um Grundlagen geht: warmes Essen, Winterschuhe, ein Platz zum Lernen, die Klassenfahrt, die sonst ausfällt. 15,2 % der unter 18-Jährigen in Deutschland sind armutsgefährdet, gut 2,2 Mio; bei Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss sind es 41,8 % [1]. In der Grundsicherung leben 1,36 Mio Kinder unter 15 Jahren [2]. Wie eng es dort zugeht, zeigt die Armutsschwelle: Ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren gilt bis 36.402 € Nettoeinkommen im Jahr als armutsgefährdet [22]. Für ein Paar ohne Kinder liegt die Schwelle bei 26.001 € [22] — bei gleichem Verdienst steht eine Familie mit Kindern also deutlich tiefer. Genau dort landet dieses Geld, und dort entscheidet ein zusätzlicher Euro über anderes als bei einem durchschnittlichen Haushalt. Auf der Gegenseite steht der Bundeshaushalt, aus dem derselbe Euro kommt; das ist das erste Gegenargument. Ein zusätzliches Gewicht dafür, dass es um Kinder geht, bekommt dieses Argument nicht — was das Geld in ihrer Entwicklung bewirkt, steht als eigenes Argument daneben. Der Wert ist mittel: Es geht um Geld — aber um Geld bei denen, die am wenigsten davon haben.
Impact
Ohne die Maßnahme bleibt das Nebeneinander der Leistungen bestehen. Kindergeld erreicht praktisch jedes Kind — 17,57 Mio im Jahr 2025 [6]. Der Kinderzuschlag, der gerade den Familien mit kleinem Erwerbseinkommen zusteht, erreichte 2025 dagegen nur 1,45 Mio Kinder [6]; bei Einzelleistungen dieser Art stellen bis zu 70 % der Berechtigten keinen Antrag [5]. Mit der Kindergrundsicherung käme das Geld ohne Antrag: Die Bundesagentur rechnete im Gesetzentwurf mit 600.000 zusätzlichen Anträgen im Jahr [21], die makroökonomische Modellrechnung mit 1,5 Mio zusätzlichen Kindern im Bezug [15]. Der Regierungsentwurf von 2023 bezifferte die Mehrausgaben mit 1,95 Mrd € im ersten Jahr und bis zu 5,93 Mrd € im Jahr 2028, je nach Inanspruchnahme [11]. Angesetzt sind hier 5 Mrd € im Jahr über den Bewertungszeitraum (Spanne: 2 bis 12 Mrd €). Rund 85 % davon erreichen Familien im unteren Einkommensbereich, weil der Zusatzbetrag mit dem Elterneinkommen abschmilzt. Wo diese Familien stehen, zeigt erst das Einkommen je Haushaltsmitglied: Ein Paar mit zwei Kindern gilt bis 36.402 € Nettoeinkommen im Jahr als armutsgefährdet, ein Paar ohne Kinder nur bis 26.001 € [22]. Die zusätzlich erreichten Haushalte liegen damit fast durchweg im untersten Fünftel. Für eine Familie mit zwei Kindern, die den Kinderzuschlag bisher nicht beantragt hat, geht es um bis zu 297 € je Kind und Monat [7]. Das ist rund ein Fünftel dessen, was ihr im Monat zur Verfügung steht. Der Impact ist groß: Es sind Millionen Kinder, und ein Euro wiegt bei Haushalten am unteren Rand deutlich schwerer als beim Durchschnitt.
Plausibilität
Zwei Teile mit sehr unterschiedlicher Sicherheit. Dass eine beschlossene Leistung ausgezahlt wird, folgt unmittelbar aus dem Gesetz — daran gibt es nichts zu zweifeln. Unsicher ist, wie viel Geld tatsächlich ankommt, denn das hängt daran, ob die Auszahlung ohne Antrag gelingt. Genau hier lag die schärfste Kritik am Entwurf von 2023: Für den Zusatzbetrag war weiterhin ein Antrag vorgesehen, und die Sachverständigen im Familienausschuss bezweifelten, dass der neue Familienservice die Nichtinanspruchnahme spürbar senkt [12]. Dafür, dass automatische Auszahlung wirkt, gibt es einen realen Fall: Die erweiterte Child Tax Credit in den USA wurde 2021 monatlich und weitgehend automatisch ausgezahlt und senkte die Kinderarmutsquote um 43 % [17]. Dagegen steht, dass ein Teil der Vereinfachung ohnehin kommt — die Familienkasse setzt seit Mitte 2026 erste Kindergeldfälle automatisiert fest [6]. Die Spanne von 2 bis 12 Mrd € im Jahr bildet genau diese Unsicherheit ab: Am unteren Rand steht ein Modell, das den Antrag beibehält, am oberen eines, das ihn ersetzt. Die Plausibilität ist mittel bis hoch: Dass gezahlt wird, ist sicher; wie viel ankommt, entscheidet die Ausgestaltung — mehr ist bei dieser Beleglage nicht drin.