Plattformhaftung für Betrugswerbung

Große Plattformen sollen gesetzlich verpflichtet und haftbar sein, Betrugswerbung zu verhindern und zu entfernen - statt an ihr zu verdienen.

Sehr große Plattformen und Suchdienste werden gesetzlich verpflichtet, Betrugswerbung proaktiv zu erkennen, schnell zu entfernen, Wiederholungstäter zu sperren und Werbetreibende zu verifizieren - für Finanzwerbung mit Nachweis der aufsichtsrechtlichen Zulassung; durchgesetzt mit Bußgeldern bis zu einem Zehntel des Weltumsatzes (Vorbild britischer Online Safety Act, Ofcom-Kodex) [1][2][12]. Für Deutschland führt der Weg über die Verschärfung der EU-Plattformregeln (Digital Services Act), national durchgesetzt durch die Bundesnetzagentur [9]; ein nationaler Alleingang ist wegen der EU-Harmonisierung kaum möglich. Anlass sind die europaweiten Beschwerden der Verbraucherverbände gegen Google, Meta und TikTok [3][4]. Bewertet wird die Wirkung über zehn Jahre, 2027 bis 2037.

Bilanz

Besser für die Zukunft · 0,79
Pro 36 · 79 % Contra 9,3 · 21 %
Größenklasse: klein Maßstab dieser Bewertung: 1 Impact-Punkt entspricht rund 100 Mio. € gesellschaftlichem Nutzen pro Jahr. Wie wir bewerten →

Pro-Argumente

Contra-Argumente

5 Argumente bewertet · Scoring v1.3 Δ absolut +26,7

Argumente — Pro

3 Argumente

Weniger Betrugsopfer: geschützte Ersparnisse, geschützte Menschen

27von 100

Große Plattformen verdienen Milliarden an Werbung und haben deshalb einen Anreiz, gegen Betrugsanzeigen nur das Nötigste zu tun - sie räumen nur einen Bruchteil der gemeldeten Anzeigen ab, während Verbraucher laufend Hunderte Millionen Euro verlieren, einzelne ihre Ersparnisse. Eine haftungsbewehrte Pflicht kann einen erheblichen Teil dieser Schäden abwenden; dass ein haftender, kontrollierter Werbekanal sauber bleibt, zeigt die Rundfunkwerbung. Wie groß der Effekt ist, entscheidet der Kampf gegen die Umgehung.

Wert 7 · Ersparnisse & ExistenzImpact 6Plausibilität 6,5
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden

Wert

Betroffen ist das Vermögen von Menschen - für viele Opfer nicht Komfort, sondern Erspartes, Altersvorsorge, manchmal die Existenz [8]. Anlagebetrug trifft überdurchschnittlich Ältere und Gutgläubige; wer hier einen vier- oder fünfstelligen Betrag verliert, verliert oft einen großen Teil dessen, was er sich aufgebaut hat. Deshalb wiegt der geschützte Euro hier mehr als beim Durchschnittshaushalt. Es geht zudem um den Schutz vor gezielter Täuschung - ein Gut, das über reine Kaufkraft hinausreicht, weil es Verletzliche vor Predation schützt. Der Wert ist hoch, weil geschützte Ersparnisse und der Schutz vor Ruin für die Betroffenen existenznah sind.

Impact

Ohne die Maßnahme läuft die Betrugswerbung im großen Stil weiter: Meta allein spielt täglich rund 15 Milliarden höher-riskante Scam-Anzeigen aus [6] und projizierte 2024 etwa ein Zehntel seines Umsatzes - rund 16 Milliarden US-Dollar - aus Betrugs- und Verbotswaren-Anzeigen [5]; von rund 900 gemeldeten Betrugsanzeigen entfernte es nur gut ein Viertel [4]. Hinter den Zahlen stehen Menschen: Eine gefälschte Anzeige mit einem geklonten Prominenten oder einem Nachrichtenlogo lockt in eine Cybertrading-Plattform, das Opfer zahlt in kleinen Schritten ein, sieht auf einer manipulierten Oberfläche steigende Gewinne - und verliert am Ende die gesamte Einzahlung, bei manchen die Ersparnisse eines Arbeitslebens [8]. In Deutschland summieren sich Anlage- und Cybertrading-Betrug auf laufende Schäden in einer Größenordnung von grob einer halben bis anderthalb Milliarde Euro pro Jahr, mit großer Dunkelziffer [7][8]. Eine Pflicht, Betrugswerbung proaktiv zu erkennen, schnell zu löschen, Wiederholungstäter zu sperren und Finanzwerber auf ihre Zulassung zu prüfen, nimmt einen Teil dieser Reichweite. Wie groß der Teil ist, zeigt Meta unfreiwillig selbst: Unter öffentlichem Druck sanken die Nutzerbeschwerden über Scam-Werbung in 15 Monaten um die Hälfte [6]. Verhindert die Pflicht ein Viertel bis die Hälfte der Schäden, bleiben rund 0,1 bis 0,5 Milliarden Euro pro Jahr erspart, konzentriert auf ältere und vertrauensvolle Menschen, denen ein verlorener Betrag besonders weh tut. Dazu kommt, was sich nicht in Geld fassen lässt: die Scham, der Ruin, das verlorene Vertrauen. Der Impact ist mittel bis hoch, weil viele Menschen betroffen sind und einzelne alles verlieren.

Plausibilität

Dass eine Pflicht die Betrugswerbung senkt, ist der Kern der Behauptung - und der Mechanismus ist präzedenzbelegt: Die Rundfunkwerbung wird vor Ausstrahlung geprüft, ihr Betreiber haftet, und sie trägt praktisch keine Betrugsanzeigen [14]. Ein haftender, kontrollierter Werbekanal bleibt also sauber; volle hundert Prozent sind online zwar schwer zu erreichen, aber dass es weitreichend geht, ist gezeigt. Auch online belegt: Meta entfernte 2025 über 134 Millionen Scam-Anzeigen und halbierte die Beschwerden - allerdings erst unter Druck [6]. Das ist kein Zufall: Weil die Werbung Milliardengewinne abwirft, haben die Konzerne einen Anreiz, aus eigenem Antrieb nur das Nötigste zu tun [5] - genau deshalb wirkt erst eine bindende Pflicht. Die verbleibende Unsicherheit ist damit weniger die Frage, OB der Effekt eintritt, als WIE GROSS er ausfällt: Betrüger tarnen Anzeigen, legen neue Konten an und operieren aus Auslandsnetzwerken [10], und verdrängt man sie von den großen Plattformen, weichen sie teils auf Messenger, organische Posts oder kleinere Kanäle aus. Diese Größen-Unsicherheit steckt in den Spannen, nicht im Grundmechanismus. Die Plausibilität ist daher eher hoch.

evidence_basis: Präzedenz · P-ceiling 7

Sauberer Werberaum stärkt das Vertrauen in den digitalen Markt

4,5von 100

Die Allgegenwart von Betrugsanzeigen lässt Nutzer auch seriösen Angeboten misstrauen. Sinkt die Scam-Dichte, gewinnt der digitale Markt an Verlässlichkeit. Der Effekt ist real, aber klein und schwer zu beziffern.

Wert 6 · Vertrauen im WerberaumImpact 1,5Plausibilität 5
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden

Wert

Berührt ist das Vertrauen in den digitalen Markt- und Werberaum - ein Systemgut, an dem viel legitime wirtschaftliche Aktivität hängt. Es ist dieselbe Güteklasse wie die legitime Werbung, die im Über-Blocking (con-1) unter die Räder gerät - Nutzen und Schaden am selben Gut -, und trägt daher denselben Wert wie con-1. Es geht nicht um Existenz oder Gesundheit, sondern um die Funktionsfähigkeit eines Marktes. Der Wert ist mittel: ein breit wirkendes Systemgut, aber unterhalb existenzieller Güter.

Impact

Wo viele auffällige Anzeigen ein möglicher Betrug sein könnten, misstrauen Nutzer auch legitimen Angeboten; Plattformen räumen selbst ein, dass Scams das gesamte Werbe-Ökosystem beschädigen [6]. Sinkt die Dichte der Betrugswerbung spürbar, fällt ein Teil dieser generellen Abwehr weg: seriöse Anbieter werden eher geglaubt, Vermittlung wird effizienter. Der Effekt ist real, aber klein - auf Deutschland bezogen (konsistent mit dem übrigen, deutschland-skalierten Rahmen) und nach unten korrigiert, weil ein Teil dieser Wirkung schon im direkten Opferschutz steckt: angesetzt sind rund 0,15 Milliarden Euro pro Jahr. Der Impact ist klein, weil es um eine diffuse Vertrauenswirkung geht, nicht um einen scharf messbaren Strom.

Plausibilität

Der Mechanismus ist plausibel und wird von den Plattformen selbst benannt [6], aber schwer von anderen Einflüssen zu trennen und kaum zu beziffern. Ein Teil der Vertrauenswirkung steckt zudem schon im direkten Schutz der Opfer. Die Plausibilität ist eher niedrig, weil die Größe dieses Effekts weitgehend eine Setzung bleibt.

evidence_basis: Plausibilität · P-ceiling 6

Weniger Geld für organisierte Kriminalität und Menschenhandel

4,2von 100

Ein großer Teil der Betrugswerbung wird von organisierten Netzwerken geschaltet, deren Erlöse Zwangsarbeit und Menschenhandel in Scam-Zentren finanzieren. Nimmt man diesen Netzwerken den Werbe-Akquisekanal, trifft man ihr Geschäftsmodell. Der Deutschland-Anteil ist klein und der Wirkungspfad lang - aber der Strom ist schwerwiegend.

Wert 7 · Freiheit & SicherheitImpact 1,5Plausibilität 4
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden

Wert

Betroffen sind Rechtsstaat und Sicherheit sowie die Würde und Freiheit der Menschen, die in den Scam-Zentren zur Arbeit gezwungen werden [13]. Das ist ein hochwertiger Strom - es geht um Zwangsarbeit und Menschenhandel, nicht um Geld oder Komfort. Dass der deutsche Beitrag klein und unsicher ist, mindert die Größe und die Plausibilität, nicht den Wert des Gutes selbst. Der Wert ist hoch, weil der Strom schwere Verletzungen von Freiheit und Sicherheit berührt.

Impact

Betrugswerbung ist nicht nur Abzocke einzelner Verbraucher, sondern der Akquisekanal eines organisierten, transnationalen Geschäfts. Die Vereinten Nationen beziffern die südostasiatischen Scam-Zentren auf rund 64 Milliarden US-Dollar Umsatz pro Jahr; mindestens 300.000 Menschen aus über 66 Ländern arbeiten dort, viele unter Zwang und mit dokumentierter Folter [13]. Ein großer Teil der Scam-Werbung auf den großen Plattformen stammt aus solchen Auslandsnetzwerken [10]. Entzieht man ihnen den Zugang zu reichweitenstarker Werbung, sinkt ihr Zulauf an Opfern und damit ihr Ertrag - man trifft das Geschäftsmodell an der Wurzel. Gebucht wird hier ausdrücklich NICHT das Geld, das die Opfer verlieren (das steht in pro-1), sondern der davon getrennte Schaden, den die Netzwerke mit den Erlösen anrichten: Zwangsarbeit, Menschenhandel, weitere Straftaten an Dritten. Der deutschland-marktbezogene Anteil daran ist klein und der Wirkungspfad lang; angesetzt sind rund 0,15 Milliarden Euro pro Jahr (Spanne 0,05 bis 0,5). Der Impact ist klein, aber der Strom ist schwerwiegend.

Plausibilität

Dass Betrugswerbung organisierte Kriminalität finanziert und deren Zwangsarbeits- und Menschenhandelsgeschäft speist, ist gut belegt (UN/UNODC [13]; der ehemalige Meta-Integritätschef verweist auf die Auslandsnetzwerke [10]). Unsicher - und deutlich schwächer belegbar - ist der inkrementelle Beitrag genau einer deutschen oder europäischen Werbepflicht zur globalen Kriminalitätsfinanzierung: Der Wirkungspfad ist lang, der Deutschland-Anteil klein, und die Netzwerke können auf andere Akquisekanäle ausweichen. Die Plausibilität ist daher niedrig: Die Richtung stimmt, die Größe des deutschen Beitrags bleibt eine vorsichtige Schätzung.

evidence_basis: Projektion · P-ceiling 6

Argumente — Contra

2 Argumente

Über-Blocking: legitime Werbung gerät unter die Räder

6,6von 100

Hohe Bußgelder setzen Anreize, im Zweifel zu viel zu entfernen. Automatische Filter und Verifizierung treffen auch legitime Anzeigen, besonders kleiner und neuer Anbieter. Die Kosten sind real, aber klein und hängen stark am Design.

Wert 6 · Funktionierender MarktImpact 2Plausibilität 5,5
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden

Wert

Betroffen ist die Funktionsfähigkeit des legitimen digitalen Werberaums - Werbereichweite vor allem kleiner und neuer Anbieter, die vorübergehend verloren geht. Das ist dieselbe Güteklasse wie der Vertrauensgewinn in pro-2, nur mit umgekehrtem Vorzeichen: Schaden und Nutzen am selben Gut wiegen gleich, deshalb trägt con-1 denselben Wert wie pro-2. Es geht um die Funktionsfähigkeit eines Marktes, nicht um Gesundheit oder Existenz. Der Wert ist mittel: ein Systemgut, aber unterhalb existenzieller Güter.

Impact

Eine scharfe Pflicht mit Bußgeldern bis zu einem Zehntel des Weltumsatzes [1] setzt Anreize, im Zweifel lieber zu viel zu entfernen. Automatische Filter und Zulassungsprüfungen treffen dann auch legitime Anzeigen - Fehlalarme, die besonders kleine und neue Anbieter treffen, deren Kampagnen verzögert oder blockiert werden [11]. Betroffen ist grob ein niedriger einstelliger Prozentsatz des legitimen Werbevolumens; ein Teil der entgangenen Vermittlung wird später nachgeholt, sodass der bleibende Schaden kleiner ist als der Brutto-Ausfall. In der Größenordnung sind das rund 0,05 bis 0,5 Milliarden Euro pro Jahr, zentral etwa 0,2. Die reinen Compliance-Kosten der Plattformen selbst fallen dagegen kaum ins Gewicht, weil es sich um sehr große, hochprofitable Konzerne handelt, die entsprechende Systeme ohnehin betreiben. Der Impact ist klein, weil nur ein kleiner Teil legitimer Werbung betroffen ist und ein Teil des Ausfalls nachgeholt wird.

Plausibilität

Dass automatische Moderation legitime Inhalte mit erfasst, ist ein gut dokumentiertes Muster, und die rechtswissenschaftliche Analyse zum britischen Gesetz benennt genau diese Abgrenzungs- und Über-Entfernungsrisiken bei Werbung [11]. Wie groß die Reibung ausfällt, hängt stark am Design: an Schwellen, an schnellen Widerspruchswegen, an der Qualität der Filter. Die Plausibilität ist mittel: Das Muster ist real, seine Größe Gestaltungssache.

evidence_basis: Präzedenz · P-ceiling 7

Marktmacht und Präzedenz erzwungener Löschung

2,7von 100

Umfangreiche Prüfpflichten könnten die größten Anbieter begünstigen und eine Präzedenz erzwungener Löschung setzen. Beides fällt klein aus: Die Pflicht lässt sich größtenteils bei den großen Werbevermittlern verankern, über die auch kleine Seiten ihre Werbung beziehen, und Betrug selbst ist keine geschützte Rede.

Wert 6 · Wettbewerb & AusdruckImpact 1Plausibilität 4,5
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden

Wert

Berührt sind Wettbewerb und - am Rand - Verfahrens- und Ausdrucksgüter. Wettbewerb ist ein Systemgut, das breit wirkt; die Ausdrucksfrage ist hier jedoch schwach, weil es um Betrug geht, nicht um Meinung. Der Wert ist mittel: ein Systemgut, aber mit geringem Gewicht im konkreten Fall.

Impact

Auf den ersten Blick ist ein umfangreicher Prüf- und Verifizierungsapparat für einen Milliardenkonzern leichter zu stemmen als für ein kleineres Netzwerk, sodass die Fixkosten als Marktzutrittsschranke wirken und die Konzentration verstärken könnten. Dieser Effekt fällt aber kleiner aus, als er zunächst scheint: Kleine Webseiten beziehen ihre Werbebanner ganz überwiegend über große, zentrale Werbevermittler (Ad-Networks und Ad-Exchanges), und genau auf dieser Ebene lässt sich die Pflicht verankern - dort, wo die Akteure groß und profitabel genug sind, die Prüfung zu tragen. Größengestaffelte Pflichten mildern die Schranke zusätzlich, und Konzernen, die mit Werbung Milliardengewinne machen, mehr Sorgfalt abzuverlangen, ist nicht unangemessen. Es bleibt ein kleiner Rest an Konzentrationswirkung plus ein Präzedenz-Aspekt: Staatlich erzwungene, teils vorbeugende Löschung wirft bei unscharfen Grenzfällen Verfahrens- und Ausdrucksfragen auf - klein, weil Betrugswerbung selbst keine geschützte Rede ist. Angesetzt sind rund 0,1 Milliarden Euro pro Jahr (0,03 bis 0,3). Der Impact ist klein und unsicher.

Plausibilität

Dass Compliance-Pflichten die etablierten Anbieter begünstigen, ist plausibel, aber umstritten und lässt sich durch nach Größe gestaffelte Pflichten mildern - zumal die Pflicht größtenteils bei den großen Werbevermittlern ansetzt, über die kleine Seiten ihre Werbung beziehen. Der Ausdrucks-Aspekt wiegt bei Betrugswerbung gering, weil Betrug nicht geschützt ist. Die Plausibilität ist eher niedrig: die Richtung ist denkbar, die Größe klein und stark vom Design abhängig.

evidence_basis: Plausibilität · P-ceiling 5

Summary

Betrugswerbung ist ein Massengeschäft: Meta projizierte rund ein Zehntel seines Umsatzes aus Betrugs- und Verbotswaren-Anzeigen, spielt täglich Milliarden Risiko-Anzeigen aus und entfernte von gemeldeten Betrugsanzeigen nur gut ein Viertel [4][5][6] - während Verbraucher in Deutschland laufend Hunderte Millionen Euro verlieren, einzelne ihre Ersparnisse [7][8]. Dass so wenig geschieht, hat einen Grund: Mit der Werbung verdienen die Konzerne Milliarden und haben deshalb einen Anreiz, von sich aus nur das Nötigste zu tun - erst eine bindende Pflicht mit Haftung dreht das um. Löst die Maßnahme das Problem? Zu einem erheblichen Teil: Dass ein haftender, kontrollierter Werbekanal sauber bleibt, zeigt die Rundfunkwerbung, die vor Ausstrahlung geprüft wird und praktisch keine Betrugsanzeigen trägt [14]; und Meta halbierte unter Druck die Beschwerden [6]. Volle Wirkung ist online schwer, weil Betrüger ausweichen - aber die Richtung ist klar. Der tragende Nutzen ist groß und hochwertig: geschützte Ersparnisse und der Schutz überwiegend älterer, verletzlicher Menschen vor Ruin. Hinzu kommt ein zweiter Nutzen über die Opfer hinaus: Ein großer Teil der Betrugswerbung wird von organisierten Netzwerken geschaltet, deren Erlöse Zwangsarbeit und Menschenhandel finanzieren [10][13] - die Werbepflicht entzieht ihnen den Akquisekanal. Dagegen stehen kleine, gut beherrschbare Kosten: etwas Über-Blocking legitimer Werbung und ein Wettbewerbs-/Präzedenzeffekt - Letzterer fällt klein aus, weil sich die Pflicht größtenteils bei den großen Werbevermittlern verankern lässt, über die auch kleine Seiten ihre Werbung beziehen; und die verlorenen Scam-Einnahmen sind Betrugserlöse, kein schützenswertes Gut. Die Bilanz fällt klar positiv aus (relative Stärke 0,79, am oberen Rand von 'besser'), weil ein großer Schaden bei verletzlichen Menschen kleinen Kosten gegenübersteht - die Einwände halten der Größe nach nicht mit, sie sind klein, nicht unbegründet. Das Scharnier ist die Wirksamkeit: Verdrängt die Pflicht die Betrüger wirklich, wird aus knapp besser deutlich besser; weichen sie nur aus, rutscht die Bilanz Richtung ausgeglichen. Entscheidend sind Werbetreibenden-Verifizierung, die Breite über alle Kanäle und gute Widerspruchswege gegen Fehlalarme.

Ausblick — Zwei Zukünfte

Besser für die Zukunft · 0,79
heute Δ +26,7 F1 — mit Betrugswerbung F0 — Baseline ohne Maßnahme +5 Jahre +10 Jahre Wohlfahrt → F0 als Referenz konstant · F1 über/unter Baseline = positive/negative Nettoveränderung · Δ = Nettoscore

Quellen

  1. Ofcom (UK): Consultation: Fraudulent Advertising Codes of Practice (Online Safety Act) - rund 40 Pflichten für große Plattformen und Suchmaschinen; Bußgeld bis 18 Mio GBP oder 10 % Weltumsatz; über die Hälfte der UK-Erwachsenen sieht Betrugsanzeigen, Schäden über 200 Mio GBP/Jahr. ofcom.org.uk
  2. UK Online Safety Act 2023: Part 3, Chapter 5 - Sorgfaltspflicht der größten Plattformen und Suchdienste gegen betrügerische Werbung. legislation.gov.uk
  3. Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv): Verbraucherorganisationen legen europaweit Beschwerden gegen Google, Meta und TikTok ein (Betrugs-Finanzwerbung, DSA-Verstoß). vzbv.de
  4. beck-aktuell: vzbv-Rüge: von rund 900 gemeldeten Anzeigen (Dez. 2025 - März 2026) nur 27 % entfernt, 52 % abgelehnt oder ignoriert. beck-aktuell.de
  5. The Next Web / Reuters: Meta wegen Scam-Ads verklagt; interne Dokumente projizieren rund 16 Mrd US-Dollar Umsatz aus Betrugs- und Verbotswaren-Anzeigen (ca. 10 % des Jahresumsatzes). thenextweb.com
  6. PPC Land: Meta entfernte 2025 über 134 Mio Scam-Ads; Nutzerbeschwerden minus 50 % in 15 Monaten; täglich rund 15 Mrd höher-riskante Scam-Anzeigen ausgespielt. ppc.land
  7. Bundeskriminalamt (BKA): Bundeslagebild Cybercrime 2024 - anhaltend hohe Bedrohungslage; Cyber-Gesamtschaden (Bitkom) 178,6 Mrd Euro. bka.de
  8. Polizei Hamburg / LKA: Cybertrading Fraud - Investmentbetrug über gefälschte Plattformen und Anzeigen mit Prominenten; Millionenschäden. polizei.hamburg
  9. Europäische Kommission: Digital Services Act (DSA) - Pflichten sehr großer Plattformen: Melde-/Abhilfeverfahren, Werbetransparenz, Rückverfolgbarkeit gewerblicher Nutzer (KYBC). commission.europa.eu
  10. Fortune: Ehem. Meta-Integritätschef zur Ad-Fraud-Epidemie; ein Großteil der Scam-Werbung stammt aus organisierten Netzwerken im Ausland (u. a. China). fortune.com
  11. Antoniou/Woods (SSRN): Advertising and the Online Safety Act 2023 - Reichweite der Pflicht, Abgrenzungs- und Over-Removal-Fragen, Umgehungsstrategien der Plattformen. papers.ssrn.com
  12. TechNadu: Ofcom scam ad rules - Zusammenfassung der geplanten Plattformpflichten (Kontosperren, Werber-Verifizierung, FCA-Autorisierung für Finanzwerbung, Meldekanäle). technadu.com
  13. Vereinte Nationen / UNODC: Bericht zu südostasiatischen Scam-Zentren: rund 64 Mrd US-Dollar Umsatz/Jahr, mindestens 300.000 teils zwangsverpflichtete Arbeitskräfte, Menschenhandel aus über 66 Ländern, dokumentierte Folter; Betrugswerbung als Akquisekanal organisierter Kriminalität. news.un.org
  14. Clearcast (UK) / Rundfunkwerbe-Clearing: Vor-Ausstrahlungsprüfung der TV-Werbung: 2025 über 26.000 Skripte und 103.000 Filme geprüft; Rundfunkwerbung darf nach Lizenzbedingungen nicht irreführen/schaden - ein haftender, kontrollierter Werbekanal trägt praktisch keine Massen-Betrugswerbung. clearcast.co.uk

Score-Einschätzung abgeben

Argument
Aktueller Score:
Value Impact Plausibilität
deutlich
niedriger
etwas
niedriger
passtetwas
höher
deutlich
höher
passt so

↔ Regler bewegen — die Begründungen passen sich deiner Einschätzung an:

Community-Ergebnis
Häufigste Begründungen