Investitionssicherheit: das Ende der Debattenprämie
Private Investoren trugen 2020 bis 2024 rund 62 % des Berliner Wohnungsneubaus. Banken und Kammern berichten, dass allein die laufende Enteignungsdebatte Investitionen bremst; die Sperre würde diese Unsicherheit beenden. Gemessen wurde das nie — und das Gesetz, das Sicherheit verspricht, löst zunächst selbst einen jahrelangen Verfassungsstreit aus.
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Wert
Es geht um die Angebotsbasis des Wohnungsmarkts: darum, ob in einer Stadt gebaut, saniert und nachverdichtet wird, in der Baugenehmigungen nur ein Drittel des Bedarfs decken [7]. Anders als bei Mietumverteilungen betrifft das nicht einzelne Budgets, sondern die Funktionsfähigkeit des Markts über Jahrzehnte. Betroffen sind am Ende die Wohnungssuchenden, die auf neue Wohnungen angewiesen sind. Deshalb wiegt dieser Kanal je Euro schwerer als Komfort- oder Suchkosten. Der bezifferte Umfang bleibt allerdings sehr klein. Der Wert ist mittel bis hoch: Es geht um die langfristige Angebotsbasis der Stadt — nur ist der Beitrag, um den es hier geht, verschwindend gering.
Impact
In Berlin wurden zwischen 2020 und 2024 insgesamt 80.844 Wohnungen fertiggestellt, 50.348 davon — also 62 % — von privaten Investoren [8]. Baugenehmigungen decken dort nur 31 % des Bedarfs, Fertigstellungen 49 % [7]. Die vier finanzierenden Banken und die Industrie- und Handelskammer berichten, dass allein die laufende Debatte über eine Vergesellschaftung Investoren zurückhält [8][11]. Angesetzt ist eine Dämpfung des privaten Neubaus um 3 % (Spanne: 0 bis 10 %), also rund 300 Wohnungen pro Jahr, die mit der Sperre zusätzlich entstünden. Über den Bewertungszeitraum ergibt das im Mittel rund 1.650 Wohnungen mehr im Bestand. Der Nutzen je Wohnung ist mit 3.000 € im Jahr angesetzt — der Vorteil gegenüber der nächstbesten Wohnlösung, nicht die Miete selbst. Damit bleibt ein Betrag in der Größenordnung von 5 Millionen € pro Jahr. Zum Vergleich: Bundesweit fielen die Fertigstellungen 2025 auf 206.600, den niedrigsten Wert seit 2012 [13] — ohne jede Vergesellschaftung, getrieben von Zinsen und Baukosten. Der Impact ist sehr klein: Der Mechanismus ist plausibel, aber die Zahl der Wohnungen, um die es geht, verschwindet neben dem, was Zinsen und Baukosten anrichten.
Plausibilität
Für die Bremswirkung der bloßen Debatte gibt es keine Messung, nur Aussagen der Banken und der Kammer [8][11]. Gegenläufig steht, dass der Neubaueinbruch bundesweit stattfindet und vor allem an Zinsen und Baukosten hängt [13]. Die historischen Fälle, mit denen die Gutachten arbeiten, tragen hier nicht: Frankreich verstaatlichte 1981 39 Großbanken und weite Teile der Industrie, Chile den Kupferbergbau ohne marktgerechte Entschädigung [7]. Das sind Verstaatlichungswellen ganzer Volkswirtschaften, nicht die Übernahme eines Wohnungsbestands in einem Bundesland mit Entschädigungspflicht und gerichtlicher Kontrolle. Vor allem aber trägt das Argument einen Selbstwiderspruch: Ein Gesetz, das nach verbreiteter verfassungsrechtlicher Einschätzung selbst vor dem Bundesverfassungsgericht scheitert [2], beendet die Unsicherheit nicht — es verlängert sie um die Dauer des Verfahrens. Die Plausibilität ist niedrig: Die Richtung ist einleuchtend, gemessen ist nichts, und das Instrument könnte genau die Unsicherheit erzeugen, die es beseitigen soll.